Power Automate vs Make — Der vollständige Vergleich für Schweizer Unternehmen

Cluster16 Min. Lesezeit3'076 WörterVeröffentlicht: · Aktualisiert: Özden Erdinc
Central Entity: : Power Automate vs Make Vergleich

Die Wahl zwischen Microsoft Power Automate und Make ist mehr als eine technische Entscheidung — sie definiert die Automatisierungsstrategie Ihres Unternehmens für die kommenden Jahre. Beide Plattformen automatisieren Geschäftsprozesse, verfolgen aber grundlegend verschiedene Ansätze: Power Automate als integraler Bestandteil des Microsoft-Ökosystems gegenüber Make als unabhängige, visuell orientierte Automatisierungsplattform.

Für Schweizer Unternehmen kommen spezifische Faktoren hinzu: Datenschutzanforderungen nach nDSG, CHF-Pricing und die Frage, ob das Microsoft-Ökosystem bereits im Einsatz ist. Dieser Vergleich analysiert beide AI Automation Tools über 10 Dimensionen — von Kosten und Integrationen bis zu AI-Features und Datenschutz — und liefert eine klare Entscheidungsmatrix.

Kurzporträt: Microsoft Power Automate

Power Automate (früher Microsoft Flow) ist Microsofts Low-Code-Automatisierungsplattform und Teil der Power Platform. Das Tool ist nahtlos in das Microsoft 365 Ökosystem integriert und bietet Enterprise-Funktionen wie Governance, Compliance und zentrale Verwaltung über das Admin Center.

Positionierung: Enterprise-fokussiert, Microsoft-nativ, IT-Governance-ready.

Kernfunktionen:

  • Cloud Flows: Automatisierte Workflows zwischen Cloud-Diensten
  • Desktop Flows: RPA für Desktop-Anwendungen (mit Power Automate Desktop)
  • Process Mining: Analyse bestehender Prozesse vor der Automatisierung
  • AI Builder: No-Code-AI-Modelle für Formularerkennung, Textklassifikation und mehr
  • Copilot: Natürliche Sprachbeschreibung von Flows (z.B. «Wenn eine E-Mail mit Anhang kommt, speichere den Anhang in SharePoint»)

Stärken:
  • Native Integration mit Microsoft 365, Dynamics 365, Azure
  • Enterprise Governance und Admin Center
  • Desktop-Automation (RPA) integriert
  • AI Builder für KI-gestützte Automatisierung
  • Copilot für natürliche Flow-Erstellung

Einschränkungen:
  • Stark Microsoft-zentrisch — Drittanbieter-Integration weniger elegant
  • Komplexe Lizenzierung (Standalone vs. Microsoft 365 inkludiert)
  • Visuelle Oberfläche weniger intuitiv als Konkurrenz
  • Premium-Connectors verursachen Zusatzkosten

Kurzporträt: Make (ehemals Integromat)

Make hat sich seit der Umbenennung von Integromat als führende visuelle Automatisierungsplattform für KMU und Agenturen etabliert. Die Stärke liegt in der intuitiven Drag-and-Drop-Oberfläche, dem transparenten Einstiegspreis und über 3'000 vorgefertigten Integrationen.

Positionierung: KMU-optimiert, plattformunabhängig, visuell-first.

Kernfunktionen:

  • Scenarios: Visuelle Workflow-Bausteine mit Drag-and-Drop
  • Über 3'000 Integrationen: Von Google Workspace über Slack bis zu Nischen-Schnittstellen
  • KI-Module: Native Anbindung von ChatGPT, Claude, Bildgenerierung und mehr
  • Data Stores: Eigene Datenbanken innerhalb von Make
  • Custom Functions: JavaScript-basierte Datentransformationen
  • Teams & Organisations: Kollaborative Workflow-Entwicklung

Stärken:
  • Sehr zugängliche visuelle Oberfläche
  • Transparenter Einstiegspreis; oberhalb der inkludierten 10'000 Credits veröffentlicht Make allerdings keinen Listenpreis mehr
  • Plattformunabhängig — an kein einzelnes Ökosystem gebunden
  • Breites Integrationsangebot (über 3'000 Apps); Zapier führt mit über 9'000 Apps ein grösseres Verzeichnis
  • Starke Community und Vorlagen-Bibliothek

Einschränkungen:
  • Keine Desktop-Automation (RPA)
  • Kein Process Mining
  • Weniger Enterprise-Governance-Features
  • Keine native Microsoft-365-Tiefenintegration

Vergleichstabelle: 10 Dimensionen im Detail

Tabelle: Vergleichstabelle: 10 Dimensionen im Detail
DimensionPower AutomateMake
ÖkosystemMicrosoft-zentrisch (365, Azure, Dynamics)Plattformunabhängig (3'000+ Apps)
Pricing-ModellPro Nutzer/Monat + Premium ConnectorsPro Credit, also je Modul-Aktion
BenutzeroberflächeFormular-basiert, linearVisuell, Drag-and-Drop, non-linear
Integrationenüber 1'400 vorgefertigte Connectors (Standard + Premium)über 3'000 native Integrationen
AI-FeaturesAI Builder, Copilot, Azure AIKI-Module (GPT, Claude, Bildgenerierung)
DatenschutzEU Data Boundary, Azure SchweizBearbeitung in der EU (Frankfurt)
LernkurveMittel (einfach mit Microsoft-Vorkenntnissen)Niedrig (visuell, intuitive Metapher)
SkalierungEnterprise-ready (Governance, Admin Center)Team- und Organisations-Ebene
SupportMicrosoft Premier Support (kostenpflichtig)Community + Premium Support ab Pro Plan
CommunityGross (Microsoft-Ökosystem)Wachsend (Make Community, Templates)

Preisvergleich in USD und CHF: 3 konkrete Szenarien

Die Preisstruktur beider Plattformen unterscheidet sich fundamental: Power Automate lizenziert je Nutzer und Monat, Make rechnet je Modul-Aktion ab. Diese Make-Einheit heisst Credit — ein Szenariodurchlauf mit zehn Modulen verbraucht zehn Credits, nicht einen. Je ganzem Durchlauf abgerechnet wird n8n (Ausführung); die Beträge der Anbieter sind deshalb nur mit Blick auf die Zähleinheit vergleichbar. Für eine realistische Kostenanalyse müssen konkrete Nutzungsszenarien herangezogen werden.

Microsoft und Make veröffentlichen ihre Listenpreise in USD. Die Szenarien nennen deshalb den Anbieterbetrag und in Klammern den Franken-Gegenwert zum Kurs vom 22. August 2026 (1 USD = 0.8009 CHF).

Die drei Szenarien sind Modellrechnungen mit offengelegten Annahmen, keine Kundenprojekte. Gesetzt sind Nutzerzahl und Volumen; für Make unterstellen wir zwei Modul-Aktionen je Durchlauf, woraus sich der Credit-Bedarf ergibt. Eine Einschränkung gilt durchgehend: Make veröffentlicht nur für die inkludierten 10'000 Credits einen Listenpreis. Höhere Stufen sind auf der Preisseite als Regler sichtbar, ihre Beträge stehen nicht im Seitentext und waren am 23. August 2026 nicht abrufbar. Wo ein Szenario mehr Credits braucht, bleibt die Make-Spalte deshalb unbeziffert — eine geschätzte Zahl wäre keine Rechnung.

Szenario 1: Solo-Unternehmer / Freelancer

Tabelle: Szenario 1: Solo-Unternehmer / Freelancer
KriteriumPower AutomateMake
Nutzung1 Nutzer, 10 Flows, ~5'000 Runs/Monat1 Nutzer, 10 Szenarien, ~10'000 Credits/Monat
PlanPower Automate Premium: 15 USD je Nutzer/Monat (rund 12 CHF)Core Plan: 9 USD/Monat für 10'000 Credits (rund 7 CHF)
ZusatzkostenPremium Connectors inkl.Keine
Gesamtkosten/Jahr180 USD (rund 144 CHF)108 USD (rund 87 CHF)
EmpfehlungWenn Microsoft 365 bereits im EinsatzWenn plattformübergreifend automatisiert wird
Quelle der Preis- und Connector-Angaben: Microsoft, Power Automate Preise — «Power Automate Premium $15.00 user/month, paid yearly», «Power Automate Process $150.00 bot/month, paid yearly», «Power Automate Hosted Process $215.00 bot/month, paid yearly»; Microsoft, Power Automate — «more than 1,400 prebuilt, certified connectors»; Make, Preise — «Core $9/mo», «Pro $16/mo», «Teams $29/mo», je «10k credits/mo», Free «Up to 1,000 credits/mo»; Make, App-Verzeichnis — «3,000+ Integration Apps» und «Showing 1 - 48 of 3553 results in All Apps». Alle abgerufen am 22. und erneut geprüft am 23. August 2026. Die Microsoft-Beträge gelten bei jährlicher Zahlung. Anbieterpreise ändern sich; die Beträge stehen in der Währung des Anbieters.
Fazit Solo: Make ist günstiger und flexibler. Power Automate lohnt sich nur, wenn Microsoft 365 bereits genutzt wird und primär Microsoft-Dienste automatisiert werden.

Szenario 2: KMU mit 10 Mitarbeitenden

Tabelle: Szenario 2: KMU mit 10 Mitarbeitenden
KriteriumPower AutomateMake
Nutzung10 Nutzer, 30 Flows, ~50'000 Runs/Monat3 aktive Ersteller, 50 Szenarien, ~100'000 Credits/Monat
PlanPower Automate Premium: 10 × 15 USD = 150 USD/Monat (rund 120 CHF)Pro Plan: 16 USD/Monat für 10'000 Credits (rund 13 CHF)
ZusatzkostenDesktop-Automation läuft über Bot-Lizenzen: Process 150 USD, Hosted Process 215 USD je Bot/MonatAufstockung von 10'000 auf rund 100'000 Credits nötig; für diese Stufe veröffentlicht Make keinen Listenpreis
Gesamtkosten/Jahr1'800 USD (rund 1'442 CHF)nicht beziffert — Listenpreis der benötigten Credit-Stufe fehlt
EmpfehlungWenn alle 10 Mitarbeitenden Flows erstellen müssenWenn 2-3 Fachleute die Workflows bauen
Fazit KMU: Auch hier lässt sich nur eine Seite durchrechnen. Für Power Automate ergeben zehn Premium-Lizenzen 150 USD im Monat und 1'800 USD im Jahr (rund 1'442 CHF). Für Make steht dem der Pro-Sockel von 16 USD gegenüber — der deckt aber nur 10'000 der rund 100'000 benötigten Credits ab, und was die Aufstockung kostet, veröffentlicht Make nicht. Der oft gehörte Satz, Make sei hier «deutlich günstiger», lässt sich mit den offengelegten Preisen nicht belegen; er lässt sich auch nicht widerlegen. Was sich sagen lässt: Make lizenziert nicht pro Nutzer, sondern pro Modul-Aktion — bei vielen Nutzenden und wenigen Durchläufen spricht das für Make, bei wenigen Nutzenden und vielen Durchläufen dagegen. Power Automate ist vorteilhafter, wenn jeder Mitarbeitende eigene Flows erstellen soll und ein Microsoft-365-Plan bereits lizenziert ist — die Basis-Flows sind darin enthalten.

Szenario 3: Enterprise mit 100+ Mitarbeitenden

Tabelle: Szenario 3: Enterprise mit 100+ Mitarbeitenden
KriteriumPower AutomateMake
Nutzung100 Nutzer, 200+ Flows, ~500'000 Runs/Monat10-20 Ersteller, 200+ Szenarien, ~1 Mio Credits/Monat
PlanPower Automate Premium + Process MiningEnterprise Plan: Individuell
ZusatzkostenAzure AI Services, Premier SupportEnterprise-Credits, dedizierter Support
Gesamtkosten/Jahrab 18'000 USD (rund 14'416 CHF) für 100 Premium-LizenzenKein Listenpreis veröffentlicht
EmpfehlungWenn Microsoft-Standardisierung gewünschtWenn heterogene IT-Landschaft automatisiert wird
Fazit Enterprise: Auf dieser Grösse lässt sich nur eine Seite rechnen. Für Power Automate ergeben 100 Premium-Lizenzen 18'000 USD im Jahr (rund 14'416 CHF). Desktop-Automation kommt dazu und ist ebenfalls ausgewiesen: Process 150 USD und Hosted Process 215 USD je Bot und Monat. Make veröffentlicht für den Enterprise Plan keinen Preis — jede Zahl dafür wäre geraten. Verglichen werden kann hier nur, was beide Anbieter offenlegen; der Rest wird verhandelt. Power Automate bietet dabei den Vorteil der einheitlichen Governance und Administration.

AI-Automation-Fähigkeiten im Vergleich

Beide Plattformen investieren massiv in AI-Features. Die Ansätze sind jedoch grundlegend verschieden.

Power Automate: AI Builder und Copilot

Microsofts AI-Strategie integriert AI tief in die Power Platform:

  • AI Builder: No-Code-AI-Modelle direkt in Flows nutzen
- Formularerkennung (Rechnungen, Quittungen, Visitenkarten) - Textklassifikation und Sentimentanalyse - Objekterkennung in Bildern - Vorhersagemodelle mit eigenen Daten
  • Copilot in Power Automate: Flows in natürlicher Sprache beschreiben
- «Erstelle einen Flow, der neue Leads aus dem Webformular in Dynamics 365 erfasst und dem Vertriebsteam eine Teams-Nachricht sendet» - Automatische Flow-Generierung mit anschliessender Feinabstimmung
  • Azure AI Services: Integration von GPT-5.6, Azure OpenAI, Cognitive Services
  • Dataverse AI: KI-gestützte Datenanalyse in der Power Platform
Vorteil: Tiefe Integration in bestehende Microsoft-Daten. AI Builder kann direkt auf SharePoint-Dokumente, Outlook-Mails und Dynamics-Daten zugreifen.

Make: KI-Module und Flexibilität

Make verfolgt einen offenen, modularen AI-Ansatz:

  • KI-Module: Native Integration von ChatGPT, Claude, Gemini und Bildgenerierung
- Text-Generierung, Zusammenfassung, Übersetzung - Bildgenerierung und -analyse - Strukturierte Datenextraktion aus unstrukturierten Texten
  • Custom AI Workflows: Beliebige AI-APIs über HTTP-Module einbinden
- OpenAI API direkt (mehr Kontrolle als über AI Builder) - Anthropic Claude API direkt einbinden - Eigene Modelle via REST API
  • AI-gestützte Datentransformation: AI für Datenbereinigung und -anreicherung innerhalb von Workflows
  • Prompt Templates: Wiederverwendbare Prompt-Vorlagen für konsistente AI-Outputs
Vorteil: Maximale Flexibilität — jedes AI-Modell kann integriert werden. Kein Vendor Lock-in bei der AI-Wahl.

AI-Vergleich: Entscheidungshilfe

Tabelle: AI-Vergleich: Entscheidungshilfe
AI-KriteriumPower AutomateMake
No-Code AI-ModelleAI Builder (5+ Modelltypen)Über App-Module (ChatGPT, Claude)
Eigene Modelle trainierenJa (AI Builder Custom Models)Nein (nur API-Anbindung)
LLM-IntegrationAzure OpenAI (GPT-5.6)ChatGPT, Claude, Gemini, beliebig
Natürliche SprachsteuerungCopilot für Flow-ErstellungNein
AI für FormularerkennungAI Builder (nativ)Über Drittanbieter-APIs
BildgenerierungÜber Azure OpenAI (gpt-image)gpt-image, Midjourney, Stable Diffusion

Microsoft 365 Integration: Wann Power Automate unschlagbar ist

In einem Bereich ist Power Automate der Konkurrenz klar überlegen: der nativen Integration mit dem Microsoft-Ökosystem.

Szenarien, in denen Power Automate die bessere Wahl ist:

  1. SharePoint-zentrische Workflows: Dokumentengenehmigungen, Versionierung, Metadaten-Updates — alles nativ und ohne API-Limits
  2. Teams-Automation: Adaptive Cards, Channel-Benachrichtigungen, Approval-Workflows direkt in Teams
  3. Dynamics 365 Integration: CRM-Automation mit Echtzeit-Triggers und bidirektionalem Datenfluss
  4. Excel-basierte Prozesse: Direkte Manipulation von Excel-Tabellen in SharePoint/OneDrive
  5. Outlook-Workflows: E-Mail-Klassifikation, automatische Ordnerstruktur, Meeting-Automation
  6. Compliance-Workflows: Integration mit Microsoft Purview für Datenschutz und Compliance
Wann Make trotz Microsoft-Umgebung besser ist:
  • Wenn neben Microsoft auch Google Workspace, Slack oder andere Plattformen genutzt werden
  • Wenn die visuellen Workflow-Design-Fähigkeiten Priorität haben
  • Wenn das Budget begrenzt ist und nicht pro Nutzer lizenziert werden soll
  • Wenn KI-Module mit verschiedenen LLMs benötigt werden

Datenschutz für Schweizer Unternehmen: CH/EU-Perspektive

Für Schweizer Unternehmen sind Datenschutzanforderungen nach dem nDSG ein entscheidender Faktor bei der Tool-Wahl.

Power Automate: Microsoft EU Data Boundary

  • EU Data Boundary: Microsoft hat die EU Data Boundary ab 2023 schrittweise eingeführt; für welche Dienste und Datenarten sie greift, ist in der Microsoft-Dokumentation je Dienst ausgewiesen
  • Azure Schweiz: Microsoft betreibt Rechenzentren in Zürich und Genf — Daten können in der Schweiz bleiben
  • Compliance-Zertifizierungen: ISO/IEC 27001, SOC 2 — die FINMA erteilt keine Produktezertifizierungen; ihre Rundschreiben richten sich an die beaufsichtigten Institute
  • Auftragsverarbeitung: Microsoft bietet Verträge zur Auftragsverarbeitung an; ob die Bearbeitung im Einzelfall nDSG-konform ist, hängt vom eigenen Einsatz ab und ist vom Unternehmen zu beurteilen
  • Verschlüsselung: ruhende und übertragene Daten verschlüsselt, Option für einen eigenen Schlüssel (Customer Key) verfügbar
Vertiefen Sie Ihr Wissen:
Vorteil: Für regulierte Branchen — Banken und Versicherer unter FINMA-Aufsicht, Pharma und Medtech unter Swissmedic-Aufsicht — deckt Microsoft ein breites Spektrum an Zertifizierungen und Vertragswerken ab und macht den Bearbeitungsort in der Schweiz wählbar. Den Nachweis gegenüber der Aufsicht führt in jedem Fall das Unternehmen selbst.

Make: EU-Hosting und DSGVO

  • EU-Hosting: Daten werden in der EU (primär Frankfurt) verarbeitet und gespeichert
  • Auftragsverarbeitung: Data Processing Agreement verfügbar — es ist die vertragliche Grundlage, nicht der Nachweis der Konformität
  • SOC 2 Type II: Zertifiziert für Sicherheits- und Verfügbarkeitsstandards
  • Keine Schweizer Rechenzentren: Daten liegen in der EU, nicht in der Schweiz
  • Verschlüsselung: TLS 1.2+ für die Übertragung, AES-256 für ruhende Daten
Vorteil: Für die meisten Schweizer KMU ausreichend. Wer Daten zwingend in der Schweiz halten muss, hat mit Microsoft Azure Schweiz eine Option, die Make nicht bietet. Der Bearbeitungsort ist allerdings nur einer von mehreren Punkten des nDSG — er ersetzt weder Bearbeitungsverzeichnis noch Informationspflicht, Betroffenenrechte oder Datensicherheit.

Datenschutz-Vergleich

Tabelle: Datenschutz-Vergleich
KriteriumPower AutomateMake
Datenstandort SchweizJa (Azure Schweiz)Nein (EU/Frankfurt)
EU Data ResidencyJa (EU Data Boundary)Ja (EU-Hosting)
AuftragsverarbeitungsvertragVerfügbarVerfügbar
Auslagerung nach FINMA-RS 2018/3Nachweis über Azure-Schweiz-Zusicherungen möglichNachweis nur über EU-Hosting möglich
ISO 27001JaJa
SOC 2JaJa (Type II)

Entscheidungsmatrix: Wann Power Automate, wann Make?

Power Automate ist die richtige Wahl, wenn:

  • Microsoft-Ökosystem dominiert: Der Grossteil der Geschäftsanwendungen läuft auf Microsoft 365
  • Enterprise Governance nötig: Zentrale Verwaltung, Compliance-Anforderungen, IT-Richtlinien
  • Desktop-Automation (RPA): Legacy-Anwendungen ohne API müssen automatisiert werden
  • Regulierte Branche: Banken und Versicherer mit FINMA-Anforderungen, Pharma und Medtech mit Swissmedic- und GMP-Anforderungen
  • Daten in der Schweiz: zwingende Vorgabe, die Daten im Land zu halten
  • Grosse Teams: Jeder Mitarbeitende soll eigene einfache Flows erstellen können (Citizen Developer)

Make ist die richtige Wahl, wenn:

  • Heterogene IT-Landschaft: Mix aus Microsoft, Google, Slack, CRM, E-Commerce-Plattformen
  • Budget-Sensitivität: KMU mit begrenztem Automatisierungsbudget
  • Visuelle Workflow-Gestaltung: Intuitive, non-lineare Workflow-Darstellung gewünscht
  • Schneller Nutzen: rasches Prototyping und schnelle Umsetzung
  • AI-Flexibilität: Verschiedene LLMs und AI-Provider einsetzen wollen
  • Agenturen und Freelancer: Workflows für Kunden bauen und verwalten

Hybrid-Ansatz: Beide Tools kombinieren

Viele Schweizer Unternehmen setzen auf einen Hybrid-Ansatz:

  • Power Automate für interne Microsoft-365-Prozesse (SharePoint, Teams, Outlook)
  • Make für externe Integrationen und AI-gestützte Workflows

Dieses Modell nutzt die Stärken beider Plattformen und minimiert die Schwächen. Die Verbindung erfolgt über Webhooks oder gemeinsame Datenquellen.

Migrationspfade: Von Power Automate zu Make und umgekehrt

Falls Sie bereits eine der Plattformen nutzen und einen Wechsel erwägen:

Von Power Automate zu Make:

  1. Dokumentieren Sie alle bestehenden Flows mit Triggern und Aktionen
  2. Identifizieren Sie Microsoft-native Funktionen, die Alternativen brauchen
  3. Beginnen Sie mit einfachen Flows und steigern Sie die Komplexität
  4. Nutzen Sie Make Templates für häufige Microsoft-365-Integrationen

Von Make zu Power Automate:
  1. Prüfen Sie, ob alle genutzten Apps Premium-Connectors benötigen
  2. Berücksichtigen Sie die geänderte Kostenstruktur (pro Nutzer und Monat statt je Modul-Aktion)
  3. Planen Sie Schulungen für die andere Benutzeroberfläche ein
  4. Nutzen Sie den Power Automate Process Advisor für Prozessanalyse

Zukunftsausblick: Wohin entwickeln sich die Plattformen?

Die folgenden Punkte sind unsere Erwartung aus der bisherigen Produktentwicklung, keine Ankündigungen der Anbieter. Verbindliche Aussagen zur Roadmap machen weder Microsoft noch Make öffentlich.

Power Automate 2026/27:

  • Copilot wird zum zentralen Interface für Flow-Erstellung
  • Tiefere Integration von Azure OpenAI in alle Flows
  • Process Mining wird zur Standard-Funktion
  • Verstärkte Hyperautomation-Funktionen

Make 2026/27:
  • KI-Module werden umfangreicher (Multi-Modell-Orchestrierung)
  • Enterprise-Features werden ausgebaut (Governance, SSO, Audit Logs)
  • Neue native Integrationen, insbesondere im AI-Bereich
  • Wachsender Druck durch Plattformen wie n8n, dessen Quelltext einsehbar ist, das aber unter der Sustainable Use License steht — keiner OSI-Open-Source-Lizenz

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Power Automate und Make gleichzeitig nutzen?

Ja, ein Hybrid-Ansatz ist nicht nur möglich, sondern für viele Unternehmen empfehlenswert. Nutzen Sie Power Automate für Microsoft-interne Workflows und Make für plattformübergreifende Automatisierungen. Die Verbindung erfolgt über Webhooks oder gemeinsame Datenschichten wie eine zentrale Datenbank.

Ist Make Enterprise-tauglich oder nur für kleine Teams?

Make hat seine Enterprise-Fähigkeiten in den letzten Jahren ausgebaut. Mit dem Enterprise Plan bietet Make SSO, erweiterte Audit Logs, dedizierte Infrastruktur und priorisierten Support; einen Listenpreis veröffentlicht Make für diesen Plan nicht. Wie verbreitet der Einsatz in mittelgrossen Unternehmen ist, lässt sich von aussen nicht belegen — belastbare Zahlen dazu veröffentlicht der Anbieter nicht. Wer Daten zwingend in der Schweiz halten muss, kommt mit Power Automate und Azure Schweiz weiter, weil Make keine Schweizer Rechenzentren anbietet.

Was kostet der Umstieg von Power Automate auf Make?

Die direkten Migrationskosten hängen von der Anzahl und Komplexität der Flows ab. Nach unserer Einschätzung aus Migrationsprojekten liegt ein KMU mit 20-30 Flows bei zwei bis vier Wochen Aufwand; das ist ein Erfahrungswert, keine erhobene Kennzahl. Wie stark die laufenden Kosten sinken, hängt an der Zähleinheit: Power Automate lizenziert je Nutzer und Monat, Make zählt Credits je Modul-Aktion. Ob der Wechsel spart, lässt sich erst nach der Aufnahme des eigenen Volumens sagen — und für Make erst, wenn der Preis der benötigten Credit-Stufe im Bestellvorgang vorliegt; als Listenpreis veröffentlicht der Anbieter ihn nicht. Wer viele Module je Szenario einsetzt, fährt mit Make auch teurer. Berücksichtigen Sie auch den Schulungsaufwand für das Team.

Welches Tool bietet bessere AI-Funktionen für Schweizer Unternehmen?

Power Automate bietet mit AI Builder eine integrierte No-Code-AI-Plattform, die besonders für Formularerkennung und Textklassifikation stark ist. Make punktet mit Flexibilität — Sie können ChatGPT, Claude, Gemini und beliebige weitere AI-Modelle einsetzen, ohne an einen Anbieter gebunden zu sein. Für Unternehmen, die verschiedene AI-Provider evaluieren möchten, bietet Make mehr Freiheit. Für Unternehmen, die eine einheitliche Microsoft-AI-Strategie verfolgen, ist Power Automate konsistenter.

Wie steht es um den Datenschutz bei beiden Tools für Schweizer Firmen?

Beide Plattformen bieten Verträge zur Auftragsverarbeitung an und schaffen damit die vertragliche Voraussetzung für eine nDSG-konforme Bearbeitung; herstellen muss diese Konformität das Unternehmen selbst — mit Bearbeitungsverzeichnis, Informationspflicht, Betroffenenrechten und Datensicherheit. Der entscheidende Unterschied bei der Plattformwahl: Power Automate kann mit Azure Schweiz Daten in Schweizer Rechenzentren halten — ein Vorteil für regulierte Branchen. Make bearbeitet Daten in der EU (Frankfurt), was für die meisten Schweizer KMU ausreicht. Wo ein Institut den Bearbeitungsort in der Schweiz verlangt, scheidet Make aus — nicht weil dem Produkt eine Eigenschaft fehlt, die die FINMA verlangt, sondern weil das Institut seine Auslagerung nach FINMA-Rundschreiben 2018/3 selbst verantworten muss und der Bearbeitungsort dabei ein Prüfpunkt ist.

Quellen

  1. Quelle der Preis- und Connector-Angaben: Microsoft, Power Automate Preise — «Power Automate Premium $15.00 user/month, paid yearly», «Power Automate Process $150.00 bot/month, paid yearly», «Power Automate Hosted Process $215.00 bot/month, paid yearly»; Microsoft, Power Automate — «more than 1,400 prebuilt, certified connectors»; Make, Preise — «Core $9/mo», «Pro $16/mo», «Teams $29/mo», je «10k credits/mo», Free «Up to 1,000 credits/mo»; Make, App-Verzeichnis — «3,000+ Integration Apps» und «Showing 1 - 48 of 3553 results in All Apps». Alle abgerufen am 22. und erneut geprüft am 23. August 2026. Die Microsoft-Beträge gelten bei jährlicher Zahlung. Anbieterpreise ändern sich; die Beträge stehen in der Währung des Anbieters.
Teilen:
Erdinc AI

Bereit für Ihre AI Automation Reise?

Von der Strategie bis zur Implementierung — Erdinc AI ist Ihr Partner für semantisch optimierte AI-Lösungen in der Schweiz.

Özden Erdinc — AI Architect for the Semantic Web

Özden Erdinc

AI Architect for the Semantic Web

Spezialisiert auf Topical Authority, Semantic SEO und AI Automation. Hilft Schweizer KMU, das volle Potenzial von künstlicher Intelligenz zu nutzen.

Power Automate vs Make VergleichPower Automate Alternative KMUMake Enterprise tauglichMicrosoft Power Automate Kosten SchweizMake vs Power Automate AI FeaturesAutomatisierungstool Schweizer KMUPower Automate Datenschutz SchweizMake oder Power Automate für KMU

Verwandte Artikel